Werkstoff Holz

Werkstoff Holz im konstruktiven Holzbau

Holz ist ein leistungsfähiger und vielseitig einsetzbarer Baustoff für tragende Konstruktionen. Je nach Holzart, Herstellung und Festigkeitsklasse unterscheiden sich die mechanischen Eigenschaften und damit auch die möglichen Einsatzbereiche.

Für die Bemessung im konstruktiven Holzbau werden insbesondere Vollholz aus Nadelholz, Vollholz aus Laubholz sowie Brettschichtholz (BSH) eingesetzt. Die charakteristischen Festigkeits- und Steifigkeitskennwerte werden über die jeweiligen Festigkeitsklassen beschrieben und bilden die Grundlage für die Bemessung nach Eurocode 5.

Auf dieser Seite werden die wichtigsten Holzarten und Festigkeitsklassen sowie deren charakteristische Kennwerte übersichtlich dargestellt. Zusätzlich werden die Nutzungsklassen und der Modifikationsbeiwert kmod erläutert.

Welches Holz eignet sich für welchen Einsatz?

Die Wahl des Holzwerkstoffs richtet sich unter anderem nach der erforderlichen Festigkeit, der Spannweite, den Abmessungen des Bauteils und den konstruktiven Anforderungen. Für den konstruktiven Holzbau kommen dabei insbesondere Vollholz aus Nadel- und Laubholz sowie Brettschichtholz zum Einsatz.

Holzwerkstoff Typischer Einsatz Besondere Eigenschaften
Vollholz – Nadelholz (C) Sparren, Balken, Stützen und andere tragende Bauteile im klassischen Holzbau Guter Kompromiss aus Festigkeit, Gewicht und Wirtschaftlichkeit. Im konstruktiven Holzbau sehr weit verbreitet.
Vollholz – Laubholz (D) Höher beanspruchte Bauteile sowie spezielle konstruktive oder gestalterische Anwendungen Je nach Holzart und Festigkeitsklasse können höhere Festigkeiten und Steifigkeiten als bei Nadelholz erreicht werden.
Brettschichtholz (BSH – GL) Größere Träger, Pfetten, Stützen und Bauteile mit größeren Spannweiten Große Querschnitte und Längen sind möglich. Durch den schichtweisen Aufbau können maßhaltige und leistungsfähige Bauteile hergestellt werden.

Die genannten Einsatzbereiche dienen als Orientierung. Die konkrete Wahl des Holzwerkstoffs und der Festigkeitsklasse ist anhand der statischen, konstruktiven und bauphysikalischen Anforderungen des jeweiligen Bauteils zu treffen.

Kennwerte von Nadelholz

Nadelholz wird nach DIN EN 338 in verschiedene Festigkeitsklassen eingeteilt. Für den konstruktiven Holzbau sind insbesondere die Klassen C16 bis C40 relevant. Die Bezeichnung „C“ steht dabei für Nadelholz.

Beanspruchung Richtung / Kennwert C16 C24 C30 C35 C40
Biegung fm,k – Biegefestigkeit [N/mm²] 16 24 30 35 40
Zug parallel zur Faser – ft,0,k [N/mm²] 10 14 18 21 24
rechtwinklig zur Faser – ft,90,k [N/mm²] 0,4 0,4 0,4 0,4 0,4
Druck parallel zur Faser – fc,0,k [N/mm²] 17 21 23 25 26
rechtwinklig zur Faser – fc,90,k [N/mm²] 2,2 2,5 2,7 2,8 2,9
Schub, Torsion fv,k – Schubfestigkeit [N/mm²] 3,2 4,0 4,0 4,0 4,0
Rollschub fR,k – Rollschubfestigkeit [N/mm²] 0,8 0,8 0,8 0,8 0,8
Steifigkeitskennwerte
Elastizitäts-
modul
parallel zur Faser – E0,mean [N/mm²] 8.000 11.000 12.000 13.000 14.000
rechtwinklig zur Faser – E90,mean [N/mm²] 270 370 400 430 470
Schubmodul Gmean [N/mm²] 500 690 750 810 880
E-Modul parallel zur Faser – E0,05 [N/mm²] 5.400 7.400 8.000 8.700 9.400
Schubmodul G0,05 [N/mm²] 333 460 500 540 587
Rohdichtekennwerte
Rohdichte ρk [kg/m³] 310 350 380 400 420

Die hellblau markierten Festigkeitsklassen C24 und C30 gehören zu den häufig verwendeten Festigkeitsklassen im konstruktiven Holzbau.

Kennwerte von Laubholz

Laubholz wird nach DIN EN 338 in verschiedene Festigkeitsklassen eingeteilt. Für den konstruktiven Holzbau sind insbesondere die Klassen D30 bis D60 relevant. Die Bezeichnung „D“ steht dabei für Laubholz.

Beanspruchung Richtung / Kennwert D30 D35 D40 D60
Biegung fm,k – Biegefestigkeit [N/mm²] 30 35 40 60
Zug parallel zur Faser – ft,0,k [N/mm²] 18 21 24 36
rechtwinklig zur Faser – ft,90,k [N/mm²] 0,6 0,6 0,6 0,6
Druck parallel zur Faser – fc,0,k [N/mm²] 23 25 26 32
rechtwinklig zur Faser – fc,90,k [N/mm²] 8,0 8,1 8,3 10,5
Schub, Torsion fv,k – Schubfestigkeit [N/mm²] 4,0 4,0 4,0 4,5
Rollschub fR,k – Rollschubfestigkeit [N/mm²]
Steifigkeitskennwerte
Elastizitäts-
modul
parallel zur Faser – E0,mean [N/mm²] 11.000 12.000 13.000 17.000
rechtwinklig zur Faser – E90,mean [N/mm²] 730 800 860 1.130
Schubmodul Gmean [N/mm²] 690 750 810 1.060
E-Modul parallel zur Faser – E0,05 [N/mm²] 9.200 10.100 10.900 14.300
Schubmodul G0,05 [N/mm²] 460 500 540 707
Rohdichtekennwerte
Rohdichte ρk [kg/m³] 530 540 550 700

Die hellblau markierten Festigkeitsklassen D30 und D40 gehören zu den häufig verwendeten Festigkeitsklassen im konstruktiven Holzbau.

Kennwerte von Brettschichtholz

Brettschichtholz (BSH) wird nach DIN EN 14080 in verschiedene Festigkeitsklassen eingeteilt. Die Klassen werden durch die Bezeichnungen GL24, GL28 und GL30 sowie die Zusatzkennungen h und c unterschieden.

Das h steht für homogenes Brettschichtholz. Hier werden Lamellen gleicher Festigkeitsklasse über den gesamten Querschnitt verwendet.

Beim c steht die Bezeichnung für kombiniertes Brettschichtholz. Dabei werden für die hoch beanspruchten äußeren Bereiche höherfeste Lamellen verwendet, während im weniger beanspruchten inneren Bereich Lamellen geringerer Festigkeit eingesetzt werden können. Dadurch können bei gleicher Gesamtfestigkeitsklasse unterschiedliche Kennwerte für homogenes und kombiniertes Brettschichtholz entstehen.

Beanspruchung Richtung / Kennwert GL24h GL24c GL28h GL28c GL30h GL30c
Biegung fm,y,k – Biegefestigkeit [N/mm²] 24 24 28 28 30 30
fm,z,k – Biegefestigkeit [N/mm²] 28,8 24 33,6 28 36 30
Zug parallel zur Faser – ft,0,k [N/mm²] 19,2 17 22,3 19,5 24 19,5
rechtwinklig zur Faser – ft,90,k [N/mm²] 0,5 0,5 0,5 0,5 0,5 0,5
Druck parallel zur Faser – fc,0,k [N/mm²] 24 21,5 28 24 30 24,5
rechtwinklig zur Faser – fc,90,k [N/mm²] 2,5 2,5 2,5 2,5 2,5 2,5
Schub fv,k – Schubfestigkeit [N/mm²] 3,5 3,5 3,5 3,5 3,5 3,5
fR,k – Rollschubfestigkeit [N/mm²] 1,0 1,0 1,0 1,0 1,0 1,0
Steifigkeitskennwerte
Elastizitäts-
modul
parallel zur Faser – E0,mean [N/mm²] 11.500 11.000 12.600 12.500 13.600 13.000
rechtwinklig zur Faser – E90,mean [N/mm²] 300 300 300 300 300 300
Schubmodul Gmean [N/mm²] 650 650 650 650 650 650
E-Modul parallel zur Faser – E0,05 [N/mm²] 9.600 9.100 10.500 10.400 11.300 10.800
Schubmodul G0,05 [N/mm²] 540 540 540 540 540 540
Rohdichtekennwerte
Rohdichte ρk [kg/m³] 385 365 425 390 430 390

Die hellblau markierte Festigkeitsklasse GL24h gehört zu den häufig verwendeten Festigkeitsklassen im konstruktiven Holzbau.

Nutzungsklassen NKL

Die Nutzungsklasse beschreibt die klimatischen Bedingungen, denen ein Holzbauteil während seiner Nutzung ausgesetzt ist. Sie ist unter anderem für die Wahl des Modifikationsbeiwerts kmod maßgebend.

NKL Typische Umgebung Relative Luftfeuchte Gleichgewichtsfeuchte
1 beheizte Innenräume < 65 %
nur wenige Wochen pro Jahr darüber
5–15 %
2 überdachte, nicht geschlossene Bereiche < 85 %
nur wenige Wochen pro Jahr darüber
10–20 %
3 Außenbereich / direkte Bewitterung > 85 % 12–24 %

Die Angaben zur relativen Luftfeuchte beziehen sich auf 20 °C.

Die Nutzungsklasse beeinflusst insbesondere den Modifikationsbeiwert kmod und damit den Bemessungswert der Festigkeit.

Modifikations- und Verformungsbeiwerte

Der Modifikationsbeiwert kmod berücksichtigt die Nutzungsklasse und die Dauer der Lasteinwirkung. Der Verformungsbeiwert kdef wird zur Berücksichtigung des Kriechens bei der Ermittlung von Verformungen verwendet.

Modifikationsbeiwert kmod

Nutzungsklasse Ständig Lang Mittel Kurz Sehr kurz
NKL 1 0,60 0,70 0,80 0,90 1,10
NKL 2 0,60 0,70 0,80 0,90 1,10
NKL 3 0,50 0,55 0,65 0,70 0,90

Verformungsbeiwert kdef

Nutzungsklasse kdef
NKL 1 0,60
NKL 2 0,80
NKL 3 2,00

Die Werte gelten für Vollholz und Brettschichtholz.

Klassen der Lasteinwirkungsdauer (KLED)

Die Lasteinwirkungsdauer beeinflusst den Modifikationsbeiwert kmod. Die Einwirkungen werden entsprechend ihrer typischen Dauer einer Klasse der Lasteinwirkungsdauer (KLED) zugeordnet.

KLED Akkumulierte Dauer der
charakteristischen Lasteinwirkung
Beispiele für Einwirkungen
Ständig > 10 Jahre Eigenlasten
Lang 6 Monate – 10 Jahre Fabriken, Werkstätten, Ställe, Lager- und Abstellflächen
Mittel 1 Woche – 6 Monate Wohn- und Aufenthaltsräume, Büroflächen, Verkaufsräume, Verkehrs- und Parkflächen für leichte Fahrzeuge, Schnee bei Geländehöhe > 1.000 m ü. NN
Kurz < 1 Woche Versammlungsräume, Treppen und Treppenpodeste, Balkone, Horizontallasten auf Geländer und Absperrungen, Schnee bei Geländehöhe ≤ 1.000 m ü. NN
Sehr kurz < 1 Minute Anpralllasten und außergewöhnliche Einwirkungen

Wind: Windlasten werden der KLED „kurz / sehr kurz“ zugeordnet. Für die Ermittlung von kmod darf der Mittelwert der Werte für „kurz“ und „sehr kurz“ verwendet werden.

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